Hundert Jahre Cepeda Samudio: Der Wirbelsturm, den Barranquilla der Literatur schenkte
Es gibt Schriftsteller, die man liest, und Schriftsteller, die man bewohnt. Álvaro Cepeda Samudio gehört zur zweiten Gattung. Am 30. März 1926 in Barranquilla geboren, feiern wir in diesem Jahr den hundertsten Geburtstag eines Mannes, der Journalist, Filmemacher, Erzähler und vor allem ein karibischer Wirbelsturm in Lastwagenfahrer-Sandalen und Mao-Kragen-Hemd war.
Cepeda Samudio veröffentlichte nur drei Bücher: Todos estábamos a la espera (1954), La casa grande (1962) und Los cuentos de Juana (1972). Drei. Und das genügte, um die DNA der kolumbianischen Erzählliteratur zu verändern. La casa grande, sein Meisterwerk, rekonstruiert das Bananenmassaker aus vielfältigen Stimmen, fragmentiert wie eine Streubombe, die im Bewusstsein des Lesers detoniert. Faulkner und Hemingway lehrten ihn die Technik; Barranquilla gab ihm die Hitze, den Rum und die Wut.
Denn Cepeda ist ohne Barranquilla nicht zu verstehen, und Barranquilla nicht ohne die Gruppe, die seinen Namen trug: García Márquez, Germán Vargas, Alfonso Fuenmayor, der Maler Alejandro Obregón. In Gabos Memoiren erscheint Cepeda als Sturzbach: „Er gab einen kompletten Filmkurs schreiend und weißen Rum trinkend.“ Das ist keine Beschreibung; das ist ein Porträt in Bewegung. Während García Márquez die Kathedrale von Macondo Stein für Stein errichtete, zündete Cepeda sie jede Nacht in irgendeiner Bar der Innenstadt an.
Sein filmisches Vermächtnis ist ebenso fieberhaft: der Kurzfilm La langosta azul, drei Dokumentarfilme über den Karneval von Barranquilla, vierzehn Wochenschauen. Er leitete das Diario del Caribe elf Jahre lang. Er schrieb, filmte, stritt, lachte mit einem Gelächter, das man angeblich drei Straßen weit hören konnte. Er starb mit 46 Jahren im Memorial Hospital in New York, viel zu jung für einen Mann mit so viel Brennstoff.
Das Centenarium Cepeda Samudios ist nicht nur ein kolumbianisches Jubiläum: Es ist eine Einladung, einen Schriftsteller wiederzulesen, der vor vielen anderen begriffen hat, dass die lateinamerikanische Literatur niemandes Erlaubnis brauchte. Während wir ihn feiern, lohnt es sich, in die Erzähltraditionen einzutauchen, die er mitgeprägt hat. Roberto Bolaños Erzählungen verdanken etwas derselben karibischen Elektrizität, gefiltert durch das Exil, und Rodrigo Rey Rosas Prosa setzt jene mittelamerikanische Tradition fort, mit der Präzision eines Messers und der Wut eines Sturms zu erzählen.
Hundert Jahre. Drei Bücher. Ein Lachen, das drei Straßen weit zu hören war. Manchmal genügt das, um eine ganze Literatur zu verändern.