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Das Buch, das einen Nobelpreisträger zwang, Nein zu sagen: Doktor Schiwago kehrt in einer neuen spanischen Ausgabe zurück

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Sigrid Nørgaard
· 3 Min. Lesezeit
Das Buch, das einen Nobelpreisträger zwang, Nein zu sagen: Doktor Schiwago kehrt in einer neuen spanischen Ausgabe zurück

Im Jahr 1958 rief die Schwedische Akademie Boris Pasternak in seiner Datscha in Peredelkino an, um ihm mitzuteilen, dass er den Literaturnobelpreis gewonnen hatte. Er war, nach allem, was man weiß, kurz glücklich. Dann sprach der Sowjetstaat.

Der darauffolgende Druck — vom Schriftstellerverband, vom Kreml, von Kollegen, die verstanden, was es bedeutete, dem Staat zu trotzen — endete mit einem Telegramm nach Stockholm: «Im Hinblick auf die Bedeutung, die dieser Auszeichnung in der Gesellschaft, in der ich lebe, beigemessen wird, muss ich ablehnen.» Pasternak starb zwei Jahre später, 1960. Er sah Doktor Schiwago nie in seinem eigenen Land veröffentlicht. Das geschah erst 1988.

Jetzt hat Feltrinelli — derselbe italienische Verlag, der 1957 ein aus der Sowjetunion herausgeschmuggeltes Manuskript erhielt und der Welt Doktor Schiwago gab, trotz sowjetischer Forderungen, es zurückzugeben — eine neue spanische Ausgabe des Romans herausgebracht. Das hat etwas sehr Passendes. Giangiacomo Feltrinelli verstand, wie wenige Verleger es verstanden haben, dass Bücher Akte des Widerstands sein können. Die Geschichte jener ursprünglichen Veröffentlichung wird in forensischem Detail erzählt in El expediente Zhivago von Peter Finn und Petra Couvée: ein Kalte-Krieg-Thriller, in dem ein Roman die Hauptrolle spielt.

Pasternaks Roman ist streng genommen kein politisches Werk. Es ist eine Liebesgeschichte und eine Meditation über Geschichte, Schicksal und das Überleben der individuellen Seele in der Katastrophe. Jurij Schiwago und Lara sind nicht von der Ideologie gefangen, sondern von der Zeit — vom schrecklichen Zufall, Ereignisse zu erleben, die größere Kräfte entscheiden. Dass der Sowjetstaat darin eine Bedrohung sah, sagt weit mehr über den Sowjetstaat als über den Roman.

Das Buch verdient Neuauflagen. Nicht weil es perfekt ist — Pasternak war vor allem Dichter, und die Erzählung hat die lockere Architektur von jemandem, der in Bildern denkt statt in Handlung — sondern weil seine zentrale Frage nicht gealtert ist. Was kostet es einen Menschen, sich selbst treu zu bleiben, wenn alles um ihn herum das Gegenteil fordert?

Es gibt eine besondere Melancholie beim Lesen über einen Nobelpreis, der zurückgegeben werden musste. Das ist nicht wie irgendein anderer literarischer Verlust. Man denkt daran, was Pasternak in Stockholm gesagt hätte, wenn der Staat es erlaubt hätte; an die nie gehaltene Rede, die noch irgendwo widerhallt.