Die Edgars 2026: Robert Crais gewinnt besten Roman, Lee Child wird Grand Master
In gewissem Sinne existiert der Edgar Allan Poe Award länger als das moderne Taschenbuch. Seit 1954 verleiht die Mystery Writers of America diese versilberten Dolche — gestaltet nach der Büste von Poe, der 1849 in Baltimore unter Umständen starb, die, treffend genug, bis heute unklar sind — und die Zeremonie ist traditionell sowohl der glamouröseste Abend der Kriminalliteratur als auch die charmant unaufdringlichste Veranstaltung im amerikanischen Literaturbetrieb.
Der diesjährige Gewinner für den Besten Roman ist Robert Crais für The Big Empty (G.P. Putnam's Sons). Crais, der Autor aus Los Angeles hinter der Elvis Cole- und Joe Pike-Serie, produziert seit 1987 schlanke, atmosphärische Kriminalliteratur — Romane, die sowohl die Freuden des Genres als auch die Art verstehen, wie eine Stadt ihre Bewohner prägt. Dass er sich gegen Konkurrenten wie Laila Lalami oder Scott Turow durchgesetzt hat, überrascht nicht; dass die Edgars so lange brauchten, um ihm einen Sieg in der Kategorie Bester Roman zu geben, schon.
Die bedeutendste Auszeichnung des Abends ging an die beiden Grand Masters: Lee Child und Donna Andrews. Grand Master ist die Lebenswerk-Kategorie der Edgars, und Childs Auswahl überrascht niemanden. Seit 1997 haben seine Jack Reacher-Romane über hundert Millionen Exemplare in neunundvierzig Sprachen verkauft. Child schuf eine Figur mit einem fast komisch einfachen moralischen Rahmen und absoluter Kompetenz — und schrieb dann immer wieder über sie, auf Arten, die nie langweilig wurden.
Donna Andrews, die andere Grand Master, schreibt seit 1999 die Meg Langslow Cozy-Mystery-Serie — mittlerweile über dreißig Romane, alle rund um eine Schmiedin in Virginia, die immer wieder auf Morde stößt.
Bemerkenswert unter den weiteren Gewinnern: Caroline Frasers Murderland (Penguin Press) gewann den Preis für das beste True Crime. Fraser gewann zuvor einen Pulitzer für ihre Biografie von Laura Ingalls Wilder — was entweder auf einen bemerkenswert vielseitigen Geist oder auf ein ungewöhnlich umfassendes Verständnis der amerikanischen Neigung zur Gewalt hindeutet.
Die Edgar-Zeremonie in New York ist immer eine Erinnerung daran, dass die Kriminalliteratur eine gesündere Beziehung zu ihrer eigenen Geschichte hat als die Gegenwartsliteratur: Autoren zitieren Vorbilder, feiern sich gegenseitig und verhalten sich, als ob Popularität und Qualität keine Widersprüche wären. Vielleicht haben sie recht.
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