Ein unveröffentlichtes Lorca-Gedicht taucht auf — gefunden von einem Flamenco-Sänger
Wie viele Gedichte hat Lorca noch unveröffentlicht? Die Frage klingt fast rhetorisch — fast neunzig Jahre sind seit seiner Ermordung vergangen, was könnte noch übrig sein? — aber die Antwort lautet diese Woche: mindestens noch eines.
Der Cantaor Miguel Poveda gab die Entdeckung eines unveröffentlichten Gedichts von Federico García Lorca bekannt, das am 27. April in Granada veröffentlicht wird. Die Entdeckung kommt auf einem Weg mit ihrer eigenen poetischen Logik: Lorca war dem Flamenco immer so nah, dass es Sinn ergibt, dass ein Cantaor derjenige ist, der ihn findet, der ihn bewahrt, der ihn zurückbringt. Bei Lorca waren Poesie und Gesang nie getrennte Genres, die sich gelegentlich besuchten — es war dasselbe in verschiedener Kleidung.
Romancero gitano und Poeta en Nueva York werden in Schulen unterrichtet, in Reden zitiert, in Sprachen übersetzt, die sich Lorca nie hätte vorstellen können. Und dennoch taucht etwas Neues auf.
Die Entdeckung wirft eine Frage auf, die nicht nur literarisch ist: Was schulden wir einem Autor, wenn das, was wir finden, etwas ist, was er nie zu veröffentlichen beschlossen hatte? Bei Lorca ist die Situation anders. Lorca hat nichts verworfen: Man nahm ihm das Leben, bevor er entscheiden konnte. Jeder Text, der auftaucht, ist in diesem Sinne ein kleiner Sieg gegen die Auslöschung, die jemand zu verhängen versuchte. La casa de Bernarda Alba wurde posthum uraufgeführt. Dass 2026 noch neues Material auftaucht, ist eine Erinnerung daran, dass die, die ihn auslöschen wollten, sich verrechnet haben.
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