Helen Garners gesammelte Kurzgeschichten und das unbequeme Gefäß der Kurzprosa
Helen Garner macht ihre Leser seit fünfzig Jahren unbehaglich. Das ist keine Beschwerde. Es ist das Wesentliche an ihr. Sie schreibt über Situationen, die die meisten Romanautoren auflösen würden, und weigert sich wegzuschauen, bevor das Unbehagen unerträglich wird.
Die Los Angeles Review of Books veröffentlichte diese Woche eine Kritik ihrer gesammelten Kurzgeschichten, die argumentiert, dass Kurzprosa ein 'unbequemes Gefäß' für Garners besondere Gaben sei. Ihre charakteristischsten Effekte — die Anhäufung präziser Details, die verzögerte Enthüllung — brauchen mehr Raum, als eine Kurzgeschichte üblicherweise bietet.
Ich denke seit kurzem an Tove Ditlevsen, eine weitere Schriftstellerin, für die die Kurzform sowohl Einschränkung als auch Disziplin war. Garner operiert in einem ähnlichen Raum. Das Unbehagen, das die Kritikerin identifiziert, ist kein Scheitern der Kurzform. Es könnte ihr ehrlichster Erfolg sein.
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