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Jodi Picoult schreibt wieder einen Roman — und warum das noch immer zählt

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James Whitmore
· 3 Min. Lesezeit
Jodi Picoult schreibt wieder einen Roman — und warum das noch immer zählt
Jodi Picoult hat einen weiteren Roman angekündigt. Das tut sie mit einer Verlässlichkeit wie ein Uhrwerk, ungefähr alle ein bis zwei Jahre seit 1992, und es wäre leicht, die Neuigkeit mit einem müden Nicken zu quittieren. Herbst 2026, kein Titel verraten, kein Thema angedeutet. Nur der Mechanismus läuft wieder. Aber seien wir ehrlich. Die Verachtung, die die Literaturfiktion Picoult historisch entgegengebracht hat, ist eine der seltsamsten Formen des Snobismus im zeitgenössischen Verlagswesen. Sie hat über 40 Millionen Bücher weltweit verkauft, wurde in 34 Sprachen übersetzt und hat fast drei Jahrzehnte lang Geschichten über moralische Ambiguität und private Katastrophen gewöhnlicher Familien gewidmet. Ihr Werk ist kein Updike, kein Ali Smith. Aber es ist auch nicht leer. Ihr letzter Roman, By Any Other Name — in dem sie eine ganze Alternativgeschichte um Emily Bassano als wahre Autorin von Shakespeares Werken aufbaute — war eine genuinweise imaginative historische Fantasie im Gewand der Unterhaltungsliteratur. Picoult bringt diese Art von Dingen zum Funktionieren. Die Ankündigung eines neuen Herbstromans hat 2026 ein besonderes Gewicht: Entlassungen bei Bloomsbury, Imprint-Schließungen bei FSG. Picoult verkauft Bücher. Das ist nicht nichts. Was wir über den neuen Roman wissen, ist im Wesentlichen nichts: eine Herbstveröffentlichung, kein Titel. Picoults Name auf dem Cover ist sein eigenes Argument. Sie wird auf Bestsellerlisten stehen. Irgendwo wird ein Kritiker fünf Absätze schreiben, warum das eigentlich nicht zählt. Dieser Kritiker wird falsch liegen — aber sehr elegant falsch liegen.
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