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Fünf Leben, die es wert sind, gelesen zu werden: Die Shortlist des Plutarch Award 2026

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Sigrid Nørgaard
· 3 Min. Lesezeit
Fünf Leben, die es wert sind, gelesen zu werden: Die Shortlist des Plutarch Award 2026

Die Biografie schien mir immer die anmaßendste literarische Form. Was sie behauptet — dass ein menschliches Leben ausreichend erkannt werden kann, um es zu schreiben, dass ein Subjekt ohne wesentliche Verzerrung in Sprache übertragen werden kann — ist eine Wette, die selbst die besten Praktiker kaum einhalten können. Und doch legen die fünf Bücher auf der Shortlist des Plutarch Award 2026, verliehen von der Biographers International Organization, nahe, dass die Form weiterhin neue Wege findet, notwendig zu sein.

Nicholas Boggs' Baldwin: A Love Story kommt bereits ausgezeichnet an: Es gewann den John Leonard Prize des National Book Critics Circle und den PEN/Jacqueline Bograd Weld Award for Biography. James Baldwin — Romancier, Essayist, Prophet des amerikanischen Rassenbewusstseins — ist ein Subjekt, zu dem man in letzter Zeit mit einer gewissen Dringlichkeit zurückgekehrt ist, teils weil die Dringlichkeiten, die er benannte, sich weigerten, nachzulassen. Man denkt an Beale Street gleichzeitig wie an jeden ernsthaften Bericht seines Lebens.

Francesca Wades Gertrude Stein: An Afterlife nimmt sich einer Schriftstellerin an, deren Leben stets drohte, ihr Werk zu überschatten. Die Autobiographie der Alice B. Toklas war selbst eine Biografie-als-Performance: Stein schrieb in der Stimme ihrer Partnerin, um über sich selbst zu schreiben. Wades Entscheidung, ihr Buch ein «Nachleben» statt ein «Leben» zu nennen, ist bereits ein kleiner Akt der Intelligenz.

Graham Watsons The Invention of Charlotte Brontë nimmt sich eines vielfach biografierten Subjekts an. Jane Eyre übersteht jede neue Bewertung seiner Autorin. Howard Frenchs The Second Emancipation über Kwame Nkrumah und den Panafrikanismus sowie Max Perry Muellers Wakara's America über einen indianischen Anführer des 19. Jahrhunderts vervollständigen eine Shortlist, die allein durch ihre Bandbreite für die anhaltenden Ambitionen der Biografie spricht. Der Gewinner wird am 28.-29. Mai auf der BIO Conference bekanntgegeben.