Rocky und Grace: Die Freundschaft, die zwei Welten rettete
Es gibt eine Szene in Projekt Hail Mary, die mich zwang, das Buch zu schließen. Nicht aus Langeweile — das genaue Gegenteil. Ryland Grace hat gerade entdeckt, dass er nicht allein im Tau-Ceti-System ist. Da ist ein anderes Schiff. Eine andere Spezies. Ein anderes Wesen, das ebenfalls die Dunkelheit zwischen den Sternen durchquert hat, um eine Antwort zu suchen. Und als Rocky seine erste Reihe musikalischer Akkorde von sich gibt, als diese Klänge die Leere zwischen zwei Lebensformen füllen, die eigentlich nicht kommunizieren können sollten, spürte ich etwas, das mir wenige Romane gegeben haben: die absolute Gewissheit, der Geburt einer Freundschaft beizuwohnen.
Andy Weir hat den Ruf eines Hard-SF-Autors. Und das stimmt. Aber Projekt Hail Mary ist etwas anderes, etwas Größeres. Es ist ein Roman über die radikalste Einsamkeit, die ein Lebewesen erfahren kann — völlig allein zu sein, Lichtjahre von jedem anderen Mitglied der eigenen Spezies entfernt — und darüber, wie diese Einsamkeit auf die unerwartetste Weise aufbricht.
Grace erwacht ohne Erinnerungen auf einem Schiff im Nirgendwo. Seine beiden Crewmitglieder sind tot. Die Erde stirbt. Und er, ein Naturwissenschaftslehrer, der nie Astronaut werden wollte, muss ein Problem lösen, an dem die besten Köpfe des Planeten gescheitert sind. Weir baut Graces Verzweiflung mit einer Präzision auf, die wehtut. Er ist kein tragischer Held im klassischen Sinne. Er ist ein gewöhnlicher Mann, verängstigt, der schlechte Witze macht, um nicht zusammenzubrechen.
Und dann erscheint Rocky. Ein spinnenförmiges Wesen mit fünf Armen, aus Materialien, die bei extremen Temperaturen funktionieren, das die Welt durch Klang «sieht» und in einer Ammoniak-Umgebung lebt. Weir macht etwas Außergewöhnliches: Er baut die Freundschaft zwischen Grace und Rocky Note für Note auf, wie eine musikalische Komposition. Erst die Klopfzeichen am Rumpf. Dann die wiederholten Töne. Dann die ersten geteilten Wörter, unbeholfen, ungenau, voller Missverständnisse, die sich mit unendlicher Geduld auflösen.
Was mich an dieser Beziehung berührt, ist, dass es keine Abkürzungen gibt. Keine Telepathie, keinen Universalübersetzer. Es gibt Arbeit. Es gibt Tage des Auf-Dinge-Zeigens und Klänge-Wiederholens. Wenn Rocky zum ersten Mal etwas sagt, das Grace vollständig versteht — «Freund!» — ist das Wort kein billiger Erzähltrick. Es ist das Ergebnis von Seiten und Seiten gegenseitiger Anstrengung.
Die emotionale Struktur des Romans erinnerte mich an Clarice Lispector. Sie schrieb über die fundamentale Fremdheit des Existierens neben einem anderen Lebewesen, darüber, wie echte Nähe verlangt, die Idee aufzugeben, dass wir den anderen vollständig verstehen können. Grace und Rocky verstehen einander nie ganz. Aber sie helfen einander. Sie beschützen einander. Sie bringen einander zum Lachen, auch wenn das Lachen in jeder Sprache anders klingt.
Das finale Opfer ist der ultimative Beweis, dass Weir etwas versteht, das viele SF-Autoren übersehen: Die Größe einer Geschichte liegt nicht im Maßstab des Problems, sondern in der Ehrlichkeit der Bindung zwischen denen, die ihm gegenüberstehen. Martha Wells' Mörderbot-Tagebücher teilen mit diesem Roman die Fähigkeit, Beziehungen zwischen nichtmenschlichen Wesen zutiefst menschlich wirken zu lassen.
Wenn du Projekt Hail Mary noch nicht gelesen hast, bitte ich dich, es zu tun. Lies es für Rocky. Lies es für dieses Wort — «Freund» — das anders klingt, wenn es jemand sagt, der die Sterne durchquert hat, um an deiner Seite zu sein.
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