An dem Tag, als Cervantes und Shakespeare starben, schenkt Barcelona dir eine Rose und ein Buch
Am 23. April 1616 starb Miguel de Cervantes in Madrid. Am gleichen Datum starb William Shakespeare in Stratford-upon-Avon. Ob dies eine echte Koinzidenz darstellt oder lediglich das Ergebnis von Kalenderreformen, die in Europa uneinheitlich angewandt wurden, ist eine Frage, die Historiker mit überraschender Leidenschaft diskutieren. Was außer Frage steht, ist, dass jemand entschied, diese beiden Tode seien symbolisch ausreichend, um den 23. April zum Welttag des Buches zu machen.
In Katalonien ist der 23. April der Tag des Heiligen Georg — Sant Jordi — und die Tradition ist älter und merkwürdiger als jedes UNESCO-Mandat. Männer schenken Frauen Rosen, Frauen schenken Männern Bücher. Die Straßen füllen sich mit Ständen, und Barcelona wird zu einem lebendigen Argument, dass Literatur und Romantik nicht unvereinbar sind.
Don Quijote de la Mancha wird seit Jahrzehnten an Sant-Jordi-Ständen verkauft. Cervantes' Exemplarische Novellen erinnern daran, dass der Mann, dessen Tod wir heute gedenken, nicht nur ein langes, schwieriges Buch geschrieben hat — er schrieb auch kurze, moralisch mehrdeutige Geschichten, die gut reisen und in eine Jackentasche passen.
Vierhundertzehn Jahre nach seinem Tod ist Barcelona voller Rosen und Bücher, die Warteschlangen an den Ständen sind lang, und niemand scheint sich zu beschweren. Manche Traditionen überleben, weil sie es verdienen.
Leseempfehlungen
Schlagwörter