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Die University of Chicago Press gründet eine Gewerkschaft – nach 130 Jahren

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James Whitmore
· 3 Min. Lesezeit
Die University of Chicago Press gründet eine Gewerkschaft – nach 130 Jahren

Die University of Chicago Press verlegt seit 130 Jahren Bücher ohne Gewerkschaft. In diesem Jahrhundert plus drei Jahrzehnten hat sie Tausende von Bänden veröffentlicht—einige davon argumentierten vermutlich mit großer wissenschaftlicher Strenge für Arbeitnehmerrechte. Diese Woche ist diese Ironie offiziell beendet.

Eine Supermehrheit der 139 anspruchsberechtigten Mitarbeiter hat Karten unterzeichnet, um der Chicago News Guild, TNG-CWA Local 34071, beizutreten. Sie fordern höhere und gerechtere Löhne, eine nachhaltige Personalausstattung und Führungstransparenz. Die üblichen drei Punkte. Zu ihren Anliegen gehört auch explizit die künstliche Intelligenz: die Befürchtung, dass überlastete Lektoren eines Tages an ihre Schreibtische zurückkehren und ihre Aufgaben an ein Sprachmodell ausgelagert vorfinden.

Der Schritt folgt auf die Ankündigung der vergangenen Woche, dass 600 Mitarbeiter von Hachette—einem der Großen Fünf—Karten für die Washington-Baltimore NewsGuild unterschrieben haben. Zwei der größten Verlage der Branche, einer akademisch und einer kommerziell, organisieren sich innerhalb einer Woche. Mitarbeiter der Oxford University Press und der Duke University Press haben es zuvor getan. Die Richtung ist eindeutig.

Was an der UChicago-Ankündigung auffällt, ist nicht die Handlung selbst, sondern was sie enthüllt: Ein gemeinnütziger akademischer Verlag mit 130-jähriger Geschichte, der dichte Werke über politische Ökonomie und Sozialtheorie veröffentlicht, zahlt offenbar Löhne, die seine eigenen Mitarbeiter als niedrig und stagnierende beschreiben. Das akademische Verlagswesen hat sich jahrzehntelang als Berufung und nicht als Industrie positioniert, was für die Gehaltssetzer recht praktisch war.

Die Forderungen sind menschlich nachvollziehbar: bessere Bezahlung, ausreichend Personal, Klarheit über die Homeoffice-Politik. Die KI-Sorge ist neuer. Lektoren beobachten den Aufstieg von Sprachmodellen mit einer besonderen Unruhe—nicht der dramatischen existenziellen Sorte, sondern der stilleren, plausibleren Befürchtung, dass kostensenkende Führungskräfte entscheiden, bestimmte Funktionen könnten billig genug angenähert werden. Ob dieser Instinkt berechtigt ist oder nicht, er ist nun in die Tarifverhandlungen eingegangen.

Wenn die UChicago die Gewerkschaft nicht freiwillig anerkennt, planen die Beschäftigten eine vom National Labor Relations Board überwachte Wahl. Ein Verlag, der 130 Jahre lang Geschichte dokumentiert hat, könnte bald ein kleines Stück davon schreiben.