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Esto ha sucedido: Juan Gabriel Vásquez und die Kunst, die Welt zu bezeugen

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Valentina Ríos
· 3 Min. Lesezeit
Esto ha sucedido: Juan Gabriel Vásquez und die Kunst, die Welt zu bezeugen

Ich lese Zeitungskolumnen wie Briefe eines sehr gut informierten Freundes. Ich setze mich mit dem noch heißen Kaffee hin und finde diese Stimme, die das Chaos der Woche ordnet. Wenn diese Stimme die von Juan Gabriel Vásquez ist, wird das Ritual zu etwas anderem: ein anhaltendes Gespräch über die Zeit, in der wir leben, geschrieben mit der Präzision des Romanschriftstellers und der Dringlichkeit des Zeugen.

Esto ha sucedido versammelt eine Dekade von Kolumnen, die Vásquez für El País schrieb. Als Buch gelesen, enthüllen sie etwas, das die wöchentliche Streuung nicht sichtbar macht: ein Denken, das wächst, ein Blick, der reift, eine Welt — und ein Kolumbien — die der Autor mit der Geduld eines Handwerkers interpretiert. „Einer der größten Schriftsteller der Welt“, nannte ihn Andrea Bajani. Ich würde nicht widersprechen.

Vásquez verbringt Jahre damit, das so schwierige Unterfangen zu bewältigen, über die Gegenwart zu schreiben, ohne von der Hast verraten zu werden. Seine Romane — Das Rauschen der Dinge beim Fallen, Die Informanten, Die Form der Ruinen — sind archäologische Grabungen in der Erinnerung eines Landes. Seine Kolumnen sind etwas anderes: die lebendige Aufzeichnung von jemandem, der aufmerksam ist, der nicht nur betrachtet, was glänzt, sondern auch, was Schatten wirft. Dieses Buch zu lesen bestätigt, dass der literarische Kolumnismus eine Form des Wissens sein kann, nicht nur der Meinung.

Was Esto ha sucedido zu mehr als einer Presseanthologie macht, ist, dass Vásquez Kolumnen wie narrative Miniaturen schreibt. Sie haben Figuren, Spannung, Offenbarung. Sie überzeugen nicht nur mit Argumenten: Sie bringen uns dazu, etwas zu sehen, das wir vorher nicht sahen. Das ist es, was gute Romanschriftsteller tun, und das ist es, was guten Journalisten selten gelingt.

Die Alfaguara-Ausgabe lädt zu einer Lektüre ein, die die ursprüngliche Veröffentlichung nicht erlaubte: der lange Blick, die Wahrnehmung eines Denkens, das sich im Laufe der Jahre aufbaut. Jede Kolumne verdient eine Pause. Wie der gute Kaffee. Wie das Gespräch, das man gerne wiederholen würde.