Keine Shortlist, keine Kampagne: Die Windham-Campbell-Preise ehren acht Schriftsteller
Es gibt etwas, das ich an den Windham-Campbell-Preisen leise beruhigend finde. Schriftsteller werden ohne ihr Wissen ausgewählt, geheim nominiert und erst informiert, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist. Aufgewachsen in einer Kultur, in der Zurückhaltung eine Form des Respekts ist, habe ich diesen Ansatz stets zivilisierter gefunden als die monatelangen Kampagnen um die meisten großen Literaturpreise.
Die Beinecke Rare Book & Manuscript Library der Yale University hat diese Woche die acht Preisträger 2026 bekannt gegeben: Schriftsteller aus Belletristik, Sachbuch, Theater und Lyrik, jeder erhält 175.000 Dollar ohne Bedingungen. Die Belletristikpreise gehen an Gwendoline Riley — die britische Romanautorin, deren kühle, präzise Erkundungen beschädigter Intimität ihr die Bewunderung aufmerksamer Leser eingebracht haben — und an Adam Ehrlich Sachs. Bei Sachbuch teilen sich der jamaikanisch-britische Schriftsteller Kei Miller und Lucy Sante die Auszeichnung.
Die Theaterpreise gehen an Christina Anderson und S. Shakthidharan, den australisch-sri-lankischen Dramatiker hinter Counting and Cracking, einem Epos über tamilische Vertreibung über vier Generationen, das in London Standing Ovations erhielt. Die Lyrikpreise gehen an Joyelle McSweeney und Karen Solie. Solie verbrachte zwei Jahrzehnte damit, Gedichte zu schreiben, in denen Landschaft und Trauer keine Metaphern füreinander sind — sie sind einfach dieselbe Substanz.
Was mich an dieser Liste auffällt, ist, wie bewusst sie dem Mainstream widersteht. Riley schreibt schmale Romane, die nie in Flughafenbuchhandlungen auftauchen werden. Für diese Schriftsteller bedeuten 175.000 Dollar keine Bühne, sondern etwas Nützlicheres: Zeit. Die Windham-Campbell-Preise kommen auf ihre besondere Art bei den richtigen Schriftstellern an — gerade spät genug, damit die Anerkennung fast bittersüß wirkt.
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