Connie Corleone kommt zu Wort: Adriana Trigiani schreibt Der Pate neu
Als ich zum ersten Mal Der Pate las, war es ein Sonntag in Bogotá, Regen gegen die Fensterscheiben, Kaffee, der kalt wurde. Mario Puzo hatte eine Welt erdrückender Männlichkeit geschaffen — so dicht, dass man kaum Luft bekam. Die Corleones waren Männer, ihre Kriege waren Männerkriege, ihre Gesetze waren Männergesetze. Die Frauen — Kay, Connie, Mama Corleone — kreisten um diese Gewalt wie Planeten, die die Sonne nie berühren.
Aber Constanzia Corleone war immer da, beobachtend. Leidend. Lernend.
Diese Woche gab Random House bekannt, dass Adriana Trigiani — die italo-amerikanische Autorin von Los amantes de la costa und der Big-Stone-Gap-Saga — Connie schreiben wird, einen Roman aus der Perspektive von Don Vitos jüngster Tochter. Erworben in einer Auktion mit acht Verlagen von Lektorin Caitlin McKenna; Erscheinung: Herbst 2027.
Was mich interessiert, ist nicht der Name Corleone auf dem Cover. Es ist die Frage, die Trigiani sich stellt: Was hat Connie gesehen, was die Männer nie erzählten? In Coppolas Filmen machte Talia Shire sie zu einer Figur, deren Zerbrechlichkeit schmerzt. Aber Zerbrechlichkeit kann auch eine Maske sein.
Wenn Frauen Erzählungen übernehmen, die ohne sie geschrieben wurden, geschieht etwas. Isabel Allende gab Clara Trueba eine Stimme und füllte ein Haus mit Geistern, das ohne sie nur Politik gewesen wäre. Clarice Lispector zerlegte den männlichen Bildungsroman mit einem einzigen Satz. Wenn Trigiani diese Sensibilität in Puzos Universum einbringt, könnte Connie mehr sein als Franchise-Nostalgie. Eine Korrektur. Eine Wiedergutmachung.
Das ist, was ich im Herbst 2027 lesen möchte. Ich vermute, ich bin nicht allein.