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Der Preis des Lesens: Bibliotheken fordern digitale Gerechtigkeit von Großverlagen

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Valentina Ríos
· 3 Min. Lesezeit
Der Preis des Lesens: Bibliotheken fordern digitale Gerechtigkeit von Großverlagen

Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich ein Buch in der öffentlichen Bibliothek ausgeliehen habe. Ich war zwölf, und es war eine Geschichtensammlung, die meine Mutter sich nicht leisten konnte. Die Bibliothekarin reichte es mir mit der Gelassenheit von jemandem, der etwas Preisloses weitergibt, und ich las es auf einer Parkbank, während die Luft noch nach Regen roch. Ich dachte nicht an Lizenzen oder Plattformpreise. Ich las einfach.

Diese Erinnerung kam zurück, als fünf große öffentliche Bibliotheksorganisationen Nordamerikas einen gemeinsamen Brief an die Großverlage veröffentlichten. Die Botschaft: Das aktuelle Lizenzmodell für digitale Bücher ist nicht mehr tragbar — für viele kleine Bibliotheken schlicht unmöglich.

Direktorin Angela Goodrich enthüllte eine Zahl, die nach Dystopie klingt: Manche großen Bibliothekssysteme geben heute über 50 % ihres Erwerbungsbudgets für digitale Lizenzen aus — Kosten, die vor acht Jahren kaum existierten. Nicht weil E-Books teuer sind, sondern weil Verlage ein Modell geschaffen haben, in dem Bibliotheken nie etwas besitzen können. Sie mieten und vermieten Zugang zu denselben Büchern, die sie einst kaufen und für immer verleihen konnten.

Die Organisationen bitten nicht um Almosen. Sie fordern Verhandlungen über dauerhafte Nutzungsrechte und nutzungsbasierte Verträge. Sie fordern, kurz gesagt, dass digitale Bücher wie gedruckte funktionieren. Die Großverlage — Penguin Random House, HarperCollins, Simon & Schuster, Hachette, Macmillan — wehren sich seit Jahren dagegen.

Im Kern ist dies derselbe alte Streit: Wer hat Zugang zur Kultur? Nur wer zahlen kann? Clarice Lispector schrieb: «Lesen ist kein Spaziergang über Wörter — es ist eine Praxis der Identität.» Wenn das stimmt, dann ist die Verweigerung eines fairen digitalen Zugangs für Bibliotheken keine bloße Preisfrage. Es ist eine Entscheidung darüber, wessen Leseridentität zählt. Bibliotheken sind seit Jahrhunderten die demokratische Antwort auf diese Frage. Die digitale Welt sollte keine Ausnahme sein.

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