Ein Satz. Ein Weltkrieg. Ein Pulitzer.
Der Pulitzer-Preis für Belletristik 2026 ging an einen Roman, der in einem einzigen, ununterbrochenen Satz erzählt wird. Nicht eine kurze Novelle. Nicht ein experimentelles Werk in einer Brooklyner Kleinstauflage. Ein vollwertiges literarisches Werk über fünf Soldaten des Ersten Weltkriegs, die auf einen gefallenen Engel stoßen.
Daniel Kraus' Angel Down, erschienen bei Atria Books, überzeugte die Pulitzer-Jury, die es als «einen atemlosen Roman des Ersten Weltkriegs, ein stilistisches Tour de Force, das Allegorie, magischen Realismus und Science-Fiction zu einem kohärenten Ganzen verbindet» beschrieb. Das Wort «atemlos» ist vielleicht unvermeidlich, wenn man ein Buch ohne Punkte rezensiert.
Die formale Einschränkung ist nicht beispiellos. Saramago baute seinen Ruf teilweise auf dem endlosen Satz als strukturellem Prinzip auf. McCarthy hat den Punkt schon immer als optionales Beiwerk behandelt. Aber was Kraus getan hat — jeder Absatz beginnt mit dem Wort «und», der gesamte Roman in einem einzigen grammatikalischen Atemzug aufgehängt — ist etwas Entschlosseneres, Stureres und vielleicht Interessanteres. Es ist eine formale Entscheidung, die auch als moralisches Argument fungiert: Der Roman weigert sich, den Krieg enden zu lassen.
Was den Ersten Weltkrieg zu einem so beharrlichen literarischen Territorium macht, ist seine besondere Textur industrialisierter Sinnlosigkeit. Isaac Rosenbergs Gedichte erfassen dies besser als fast jeder andere — wie eine Generation von Männern in eine Maschine geworfen wurde, die kein Interesse an ihren Namen, ihren Innenleben oder ihren engelsförmigen Hoffnungen hatte.
Die anderen Finalisten für den diesjährigen Belletristik-Preis waren Katie Kitamuras Audition und Torrey Peters' Stag Dance. Dass der Preis an Kraus ging, deutet darauf hin, dass der Appetit der Jury auf Risiko nicht rein dekorativ ist. William Blake hätte Meinungen gehabt.
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