Das heilige Regal: Was uns dreißig Millionen Andachtsleser wirklich mitteilen
Die Zahlen kommen leise, aber sie treffen hart. Zwischen 2019 und 2025 haben sich die Printverkäufe von Bibeln, Andachtsbüchern und Bibelstudienführern in den Vereinigten Staaten nahezu verdoppelt — von 16,6 Millionen auf 30,8 Millionen verkaufte Einheiten pro Jahr. In einem Jahrzehnt, das den Tod des gedruckten Buches ausgerufen hat, entschied sich der religiöse Verlagsmarkt, den Nachruf nicht zu lesen.
Die jüngste Analyse des Publishers Weekly führt dieses Wachstum auf etwas zurück, das wenig mit einem religiösen Erwachen und viel mit Angst zu tun hat. Leser in «schwierigen Zeiten» suchen «Wahrheit, Hoffnung und Sinn». Was sie beschreibt, ist uralt: der menschliche Impuls, sich in Zeiten der Desorientierung Texten zuzuwenden, die bereits Jahrhunderte der Desorientierung überlebt haben.
Was mich an dieser Geschichte überrascht, ist nicht die Religiosität selbst, sondern die Form, die der Markt für sie gefunden hat. Die Majestic Illuminated Bible von Hachette Nashville enthält hundert Farbillustrationen aus Handschriften des 15. Jahrhunderts. Journal-Bibeln sind von unter zehntausend Exemplaren im Jahr 2019 auf über sechshunderttausend im Jahr 2025 gewachsen. QR-Codes verknüpfen heilige Texte mit Multimedia-Erklärungen.
Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem der Lutheranismus so allgegenwärtig war, dass er fast unsichtbar geworden war. In Dänemark ist Glaube still. In Amerika, so scheint es, braucht er eine Marketingkampagne und eine dyslexiefreundliche Schriftart. Und dennoch kann ich darüber nicht einfach spöttisch sein. Tove Jansson schrieb über Mumins, die sich in ihre Winterhöhlen zurückziehen, wenn die Welt zu laut wird — es gibt etwas ebenso Instinktives darin, einen alten, vertrauten Text aufzusuchen.
Der Andachtsboom offenbart auch etwas über das, was der säkulare Verlag nicht bereitgestellt hat. Max Lucados Calm Moments for Anxious Days überschritt 100.000 verkaufte Exemplare. Das ist kein Nischenphänomen.
Ob dies langfristig Trost oder Warnung für diejenigen unter uns ist, die an den säkularen Kanon glauben, bleibt eine offene Frage. Die ältesten Bücher der Welt verkaufen sich immer noch besser als fast alles, was letztes Jahr veröffentlicht wurde. Ich lese beides.
Leseempfehlungen
Find peace with God in the middle of everyday life — a beloved Christian devotional classic.
A journey of faith that has inspired millions — one of the most influential works of Christian literature.
Psychologist Richard Beck reimagines how we read the Bible through the lens of love, blending theology and personal n...
Schlagwörter