Die Apache-Welt, die niemand erzählt hat: Álvaro Enrigues Now I Surrender
Manche Bücher kommen spät und kommen gut. Now I Surrender, Álvaro Enrigues Roman, der ursprünglich 2018 auf Spanisch erschienen ist, hat endlich englischsprachige Leser in Natasha Wimmers Übersetzung erreicht — und bringt etwas Seltenes mit sich: die Fähigkeit, eine Wunde wieder zu öffnen, von der wir nicht wussten, dass wir sie hatten.
Die Wunde ist diese: Jahrzehntelang wurde die Geschichte der Apachen von nördlich des Rio Grande erzählt. Hollywood-Western, Cowboy-Mythologie, der triumphierende Blick. Álvaro Enrigue, ein mexikanischer Romancier, der heute lateinamerikanische Literatur an der Hofstra University lehrt, stellte eine andere Frage: Und Mexiko? Was hat Mexiko den Apachen angetan? Die Antwort füllte ihn mit Scham — und mit Worten.
Der Roman verflicht drei Handlungsstränge mit opernhafter Präzision: ein mexikanischer Oberstleutnant, der 1836 eine Apachenbande verfolgt, die eine Frau aus der Grenzstadt Janus entführt hat; der letzte Marsch von Geronimos schwindender Schar vor ihrer Kapitulation im Skeleton Canyon 1886; und ein zeitgenössischer Schriftsteller — kaum verhüllter Spiegel Enrigues selbst — auf einem Roadtrip durch den Südwesten der USA, auf der Suche nach den Geistern der Apachería.
Ich erinnere mich, als Kind in Bogotá La historia de la vida de Gerónimo gelesen zu haben — Geronimos eigenen Bericht, 1906 an S. M. Barrett diktiert — und dabei etwas sehr Altes zu berühren. Enrigue trägt dasselbe Gefühl in seinen Roman: Geronimo ist "Nitroglycerin", schreibt er. Man berührt ihn und er explodiert.
Was mich an diesem Buch am meisten bewegt, ist der Akt der Wiedergutmachung, der in der Reise steckt. An Gräbern stehen, vor Landschaften, die einst eine ganze Nation waren. "Als Mexikaner war es eine Art zu sagen: Es tut mir leid." Der Einfluss von Roberto Bolaño ist sichtbar und bekannt, aber Now I Surrender hat seinen eigenen Rhythmus. Der letzte Abschnitt, "Aria", schließt den Roman wie ein sanfter Schlag.
Sucht dieses Buch. Und wer die Apache-Faszination in der lateinamerikanischen Literatur besser verstehen möchte, lese Deseo de ser piel roja von Miguel Morey — ein Essay, halb Bekenntnis, halb Liebesbrief.
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