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Eine Biografie, Die Biografie Neu Erfindet: Francesca Wade Gewinnt den Plutarch-Preis

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Valentina Ríos
· 3 Min. Lesezeit
Eine Biografie, Die Biografie Neu Erfindet: Francesca Wade Gewinnt den Plutarch-Preis

Ich habe eine Theorie über die besten Biografien: Die besten erzählen kein Leben, sie befragen es. Sie fragen, was es bedeutet, jemanden zu erzählen — ob Sprache einen Menschen enthalten kann. Das ist es, was Biografie als Kunst von Biografie als Dokument trennt.

In dieser Woche hat die Internationale Biographen-Organisation den Plutarch-Preis 2026 an Francesca Wade für Gertrude Stein: An Afterlife vergeben. Der Plutarch ist der einzige internationale Literaturpreis für Biografie, der ausschließlich von Biografen vergeben wird. Das Komitee beschrieb das Werk als „eine überzeugende originelle Herangehensweise an Steins Leben und Werk und letztlich an unser Denken über Biografie selbst“.

Stein ist eine Figur, die sich einfachen Etiketten widersetzt. Avantgardistin, die die Syntax des Englischen aufbrach. Mäzenin von Picasso und Matisse. Gastgeberin des einflussreichsten literarischen Salons im Paris der zwanziger Jahre. Um in diese Welt außergewöhnlicher Buchhandlungen und unmöglicher Begegnungen einzutauchen, empfehle ich: Die Buchhandlung der Exilanten von Uwe Neumahr, über die legendären Buchhandlungen von Adrienne Monnier und Sylvia Beach in der rue de l'Odéon — Steins Nachbarinnen, Komplizinnen des anglophonen Modernismus im Herzen Europas.

Wade hatte bereits in Square Haunting gezeigt, dass sie nicht die Chronik interessiert, sondern die Frage: Was bleibt von einem Leben, wenn jemand anderes es aufschreibt? Gertrude Stein: An Afterlife radikalisiert diese Frage und untersucht, wie Stein ihren eigenen Mythos aufgebaut hat.

Was mich an diesem Preis bewegt, ist, dass eine Jury aus Biografen ausgerechnet ein Buch ausgezeichnet hat, das das eigene Genre in Frage stellt. Wer mehr lesen möchte, findet in The Group von Mary McCarthy — über acht Vassar-Absolventinnen im New York der dreißiger Jahre — Stimmen auf ihrer vollen Kraft.

Wade ist Anfang dreißig. Der Plutarch-Preis bestätigt, was sich schon andeutete: Es gibt eine neue Generation von Literaturbiografinnen, die sich nicht mit dem Bekannten zufriedengeben. Sie wollen verstehen, wie das Bekannte sich weiterverändert.

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