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Der Preis, der zuhört: Julia Elliott gewinnt den Carol-Shields-Preis für Hellions

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Valentina Ríos
· 2 Min. Lesezeit
Der Preis, der zuhört: Julia Elliott gewinnt den Carol-Shields-Preis für Hellions

Manche Preise kommen als verspätete Anerkennung. Andere wirken wie ein Leuchtturm. Der Carol Shields Prize for Fiction, dotiert mit 150.000 Dollar, gehört zur zweiten Kategorie: Seit seiner Gründung hat er das ausdrückliche Ziel, Stimmen von Frauen, nicht-binären und trans Autor:innen aus den USA und Kanada sichtbarer zu machen, die mehr Leser:innen verdienen. Diese Woche fiel dieses Licht auf Julia Elliott und ihre Kurzgeschichtensammlung Hellions.

Der Titel sagt schon etwas. Nicht Geschichten, nicht Erzählungen: Hellions — kleine Teufel, Geschöpfe, die sich nicht beruhigen lassen. Elliott, Autorin aus South Carolina, die seit Jahren ein eigenwilliges Werk aufbaut, veröffentlichte ihre erste Sammlung The Wilds vor mehr als einem Jahrzehnt. Seitdem pflegt sie eine Fiktion, in der das amerikanische Südstaaten-Gothic auf etwas Älteres und Schwer-zu-Benennendes trifft. Hellions ist ihre Rückkehr zur Kurzgeschichte als Form — und die Jury des Carol Shields Preises honoriert das mit einem beeindruckenden Betrag: 150.000 Dollar, einer der höchsten Preise in der nordamerikanischen Literatur.

Carol Shields hilft, die Entscheidung zu verstehen. Shields, Autorin von The Stone Diaries (Pulitzer 1995), tat nie, was von ihr erwartet wurde: Sie nahm das häusliche Leben und ließ es leuchten, ohne es zu romantisieren, behandelte gewöhnliche Frauen als Protagonistinnen der Welt. Der Preis, der ihren Namen trägt, sucht nach dieser unentschuldigten Ehrlichkeit.

Die Kurzgeschichte braucht in der lateinamerikanischen Tradition keine Rechtfertigung — Cortázar, Rulfo, Lispector schrieben Geschichten, die brennen. Im englischsprachigen Verlagsbereich hatte der Kurzgeschichtenband historisch weniger Prestige als der Roman. Gewisse Bücher haben dagegen gehalten — Dept. of Speculation von Jenny Offill schrieb in unter 200 Seiten neu, was über Liebe und Scheitern gesagt werden kann — und Hellions kommt mit dem Anspruch, etwas Ähnliches zu leisten.

Ich habe Hellions noch nicht gelesen — das Exemplar ist noch nicht in Barcelona angekommen — aber ich vertraue einer Jury, die Fremdartigkeit vor Korrektheit stellt. Und der Buchtitel sagt mir, dass Julia Elliott das auch nicht sucht.

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