Manel Loureiros unmögliches Attentat: Alle EU-Präsidenten auf einer galizischen Insel töten
Eine einzige Frage vor dem Beginn: Was braucht ein Roman, damit seine Prämisse nicht wie ein Salon-Einfall wirkt, sondern wie etwas, das einen dazu bringt, das Buch zuzuklappen und aus dem Fenster zu schauen, um zu prüfen, ob die Welt noch an ihrem Platz ist?
Mit Antes de que todo cambie (Planeta, Mai 2026) setzt Manel Loureiro alles auf eine Karte. Alle Präsidenten der Europäischen Union versammelt auf La Toja — der privilegierten galicischen Insel, wo Thermalbäder auf atlantischen Granit treffen — und ein Plan, sie alle gleichzeitig zu ermorden. Nicht einen. Alle. Gleichzeitig. Loureiro machte daraus echte Recherche: Er konsultierte Sicherheitsexperten, die europäische Staatschefs schützen, und entdeckte etwas Beunruhigendes — dass "absolute Sicherheit nicht existiert". Das ist es, was die besten Thriller mit der besten Science-Fiction verbindet: Sie erfinden die Angst nicht, sie dokumentieren sie.
Die Protagonisten sind Samuel "Sam" Hoyos — ein gefallener Ex-Agent des spanischen Geheimdienstes CNI — und Julia "Jules" Duarte, aktive Spezialistin für Terrorismusbekämpfung. Das klassische Genre-Duo, aber in Loureiros Händen ist dieser Klassizismus absichtlich. Die Apocalipsis-Z-Trilogie (die mit El principio del fin begann) machte ihn zu einem der international erfolgreichsten spanischen Autoren — zweihunderttausend verkaufte Exemplare allein in den USA, in zwanzig Sprachen übersetzt.
Der politische Thriller stellt immer dieselbe Frage: Wie sehr spielt der reale politische Kontext eine Rolle? Loureiro setzt seinen Mehrfachattentatsplot in eine Zeit, in der die EU als dauerhaft krisengeprüftes Projekt wahrgenommen wird. Der unmögliche Anschlag auf alle ihre Präsidenten ist auch eine Metapher für die Fragilität des vermeintlich Geschützten. Ein konvexer Spiegel, der übertreibt, damit wir klarer sehen.
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