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Der Rahmen vor dem Satz: über Ocean Vuong und die andere Sprache, die er spricht

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Sigrid Nørgaard
· 3 Min. Lesezeit
Der Rahmen vor dem Satz: über Ocean Vuong und die andere Sprache, die er spricht

Als ich zwölf war, zeigte mir meine Großmutter eine Schachtel Fotografien, die sie aus ihren Jahren in Bergen aufbewahrt hatte. Keine ausgestellten Fotos — versteckte. Schwarz-Weiß-Bilder von Menschen, die ich nicht erkannte, bei Feiern, die ich nicht benennen konnte. Auf der Rückseite jedes Fotos hatte sie kleine Beschriftungen in einer Schrift hinterlassen, die ich nur als sorgfältig beschreiben kann. Nicht schön. Sorgfältig.

Ich denke an diese Schachtel, wenn ich über Ocean Vuongs jüngste Fotoausstellung lese, die diese Woche auf Literary Hub von Sarah Moroz behandelt wurde. Der Artikel stellt eine Frage, die selten an Romanautoren gestellt wird: Was, wenn das Schreiben das Sekundäre wäre?

Vuong — dessen Debütroman On Earth We're Briefly Gorgeous als eines der eindrucksvollsten Bücher des letzten Jahrzehnts ankam, und dessen Gedichtband Time Is a Mother seinen Ruf als essentiell festigte — hat eine Beziehung zur Kamera durch sein gesamtes Schreibleben aufrechterhalten. Es ist kein Hobby: Es ist eine Praxis, die so ernst ist wie seine Satzgestaltung.

Vuongs Prosa ist intensiv visuell. Seine Sätze beschreiben nicht nur: Sie rahmen ein. Night Sky with Exit Wounds funktioniert so: Jedes Gedicht ist eine kontrollierte Belichtung. Die Frage, die Moroz' Artikel implizit stellt — zuerst Fotograf, dann Schriftsteller? — hat vielleicht eine Antwort, die auch eine Weigerung ist: beides, immer beides.

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