Zum Hauptinhalt springen

Zwischen Beweis und Geschichte: Patricia Cornwell wagt sich an die Memoiren

S
Sigrid Nørgaard
· 3 Min. Lesezeit
Zwischen Beweis und Geschichte: Patricia Cornwell wagt sich an die Memoiren

Es gibt eine Frage, die auftaucht, wenn Krimiautoren sich der Autobiografie zuwenden: Inwieweit war die Fiktion immer schon Memoiren, und inwieweit warteten die Memoiren immer schon, um geschrieben zu werden? Patricia Cornwell hat mehr als drei Jahrzehnte damit verbracht, Kay Scarpetta zu schreiben — die forensische Pathologin, die den Tod mit einer systematischen Strenge verarbeitet, die, bei genauer Lektüre, auch eine Form der Trauerverarbeitung ist. In einem Gespräch über ihre neuen Memoiren, True Crime, im Kirkus-Podcast "Fully Booked" beginnt Cornwell, die Distanz — und die Intimität — zwischen der Schöpferin und ihrer berühmtesten Schöpfung zu beleuchten.

Die Scarpetta-Romane, beginnend mit Post Mortem 1990, waren unter anderem eine prozedurale Revolution: das forensische Labor als literarischer Schauplatz, die weibliche Expertin als Protagonistin, bevor das ein TV-Klischee wurde. Cornwell bettet sich in Leichenschauhäuser und Ermittlungsbehörden ein, um die Details zu stimmen. Die Frage, wo die Recherche endet und das Persönliche beginnt, war nie ganz einfach zu beantworten.

Was bedeutet es, Memoiren zu schreiben, wenn man jahrzehntelang jemanden geschrieben hat, der Gewalt professionell verarbeitet? Knausgård schrieb sechs Bände Mein Kampf ohne sich viel Raum zur Verheimlichung zu lassen. Beichtschreiber und Krimiautor mögen als entgegengesetzte Wesen erscheinen, aber Cornwells Werk deutet darauf hin, dass sie nicht so leicht zu trennen sind. Die Körperfarm und spätere Romane wie Scarpetta trugen immer etwas von der Intensität der Autorin.

Die Memoiren entfernen vermutlich den Mittler. Cornwell war öffentlich über Aspekte ihres Lebens, über die Krimiautoren selten sprechen. Ob True Crime es schafft, diese Fäden zu einem stimmigen und ehrlichen Ganzen zu verweben, bleibt abzuwarten. Was wahrscheinlich ist: Es wird eine Art Begleitstück zu all den Scarpetta-Jahren sein — die Fiktion, die es erlaubte, indirekt über schwierige Dinge zu sprechen, und die Memoiren, die endlich direkt sprechen.

Man denkt an Tove Jansson, die jahrzehntelang ihre privatesten Ängste und Sehnsüchte in die Mumins einbettete, bevor sie zur Autofiction für Erwachsene überging. Manche Autoren brauchen die Distanz. Andere finden schließlich ihren Weg zur unvermittelten Seite.

Kommentare

Anmelden um an der Unterhaltung teilzunehmen.

Noch keine Kommentare.