Am Wendepunkt: Was fünf Jahre Zensur mit queerer Literatur gemacht haben
Ich erinnere mich, als ich vor fast zwölf Jahren von Kopenhagen nach Madrid kam und wochenlang in einer bestimmten Buchhandlung in der Calle de las Huertas verbrachte, wo die Literaturabteilung ein kleines, nicht beschriftetes Regal mit queerer Belletristik hatte, das zwischen Reisebüchern und Lyrik eingeklemmt war. Es war nicht versteckt, genau genommen. Aber es war mit einer fast apologetischen Diskretion angeordnet.
Dieses Regal ist verschwunden. An seiner Stelle — und in vielen der besseren Buchhandlungen — gibt es ganze Abteilungen. Prominent, gut beleuchtet. Ein kürzlicher Artikel von Danika Ellis in Book Riot deutet jedoch auf anderes hin. Die Überschrift: «Queer Books and Authors are at a Breaking Point».
Ellis dokumentiert fünf Jahre eskalierender Zensur gegen LGBTQ-Inhalte — nicht als eine Reihe isolierter Vorfälle, sondern als koordinierte, kumulative Kampagne, die jede Schicht des Verlagsökosystems erreicht hat. Autor:innen. Agent:innen. Verlage. Buchhandlungen. Der Druck kommt nicht als einzelne Krise; er kommt als Zermürbung.
Die nordischen Länder haben diese Spannung anders erlebt. Ich bin mit Tove Jansson aufgewachsen — deren innige Partnerschaft mit der Künstlerin Tuulikki Pietilä nie ein Geheimnis war, aber auch nie Gegenstand öffentlicher Kontroverse wurde — und ich habe eine Vorstellung von queerer Existenz als etwas Undramatisches verinnerlicht.
Was Ellis' Argument wertvoll macht, ist das Wort, das sie wählt: breaking. Nicht gebrochen. Nicht bedroht. Breaking — Gegenwart, noch in Bewegung. Conversion Therapy Dropout von Timothy Schraeder Rodriguez ist die Art von Buch, die dieser Druck unsichtbar machen soll. Play Proud von Rob Sanders repräsentiert eine andere Kategorie — stiller, für Leser gedacht, die noch ihr Bild davon formen, was die Welt enthält.
Die Bücher sind noch da. Die Frage, die nach der Lektüre von Ellis bleibt, ist, wie lange die Menschen um sie herum das Gewicht noch tragen können.
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