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'Taiwan Travelogue' gewinnt den International Booker 2026: Erstmals ein Roman auf Mandarin

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Valentina Ríos
· 3 Min. Lesezeit
'Taiwan Travelogue' gewinnt den International Booker 2026: Erstmals ein Roman auf Mandarin

Manche Nachrichten kommen wie ein sanftes Erwachen. Letzte Woche verkündete die Jury des International Booker Prize 2026 in der Tate Modern in London die Gewinnerin — und die Literaturwelt musste einen Moment innehalten. Taiwan Travelogue — ein Roman der taiwanesischen Schriftstellerin Yáng Shuāng-zǐ, ins Englische übersetzt von Lin King — ist das erste auf Mandarin geschriebene Buch, das den International Booker gewonnen hat. Das ist keine Kleinigkeit.

Der Roman nimmt die Form einer fiktiven Übersetzung eines wiederentdeckten japanischen Reisetagebuchs an: eine kulinarische und emotionale Reise durch das Taiwan der 1930er Jahre unter japanischer Kolonialherrschaft. Die Vorsitzende der Jury, Natasha Brown, beschrieb ihn als «einen fesselnden, subtil anspruchsvollen Roman, der sowohl als Liebesgeschichte als auch als scharfsinniger postkolonialer Roman überzeugt». Zwei Frauen, zwei Sprachen, zwei Epochen: Die Geschichte handelt davon, wie Liebe und Identität überleben, auch wenn die Sprache des Besatzers aufgezwungen wird.

Ich denke an all die Bücher, die ich gelesen habe, die zwischen Sprachen reisen — Bücher, die selbst eine Übersetzung der Welt sind — und verstehe, warum das so wichtig ist. Übersetzerin Lin King teilt das Preisgeld von £50.000 mit der Autorin: 2024 hatte ihre englische Fassung bereits den National Book Award for Translated Literature gewonnen. Ein Übersetzer ist nicht der Geist eines Buches, sondern auch sein Architekt. Hiromi Kawakami, die japanische Autorin, die 2025 mit Unter dem Auge des großen Vogels auf der Shortlist des International Booker stand, weiß das gut: Asiatische Literatur erreicht die Regale der Welt auf eine Weise, die nicht mehr ignoriert werden kann.

Der International Booker hat sich zunehmend für nicht-anglophone Stimmen geöffnet. Eva Baltasar, die katalanische Schriftstellerin, erreichte 2023 das Finale mit Boulder, einem so körperlichen und sinnlichen Roman, dass man ihn fast berühren kann. Sie gewann damals nicht, aber ihre Präsenz auf der Liste veränderte etwas in der Art, wie Europa sich selbst betrachtet. Taiwan Travelogue bringt nun einen weiteren Ruck: Es ändert nicht nur die Sprache — das erste Mal gewinnt ein Mandarin-Roman — es verschiebt auch die Geographie des literarischen Kanons.

Was bedeutet das für Leserinnen und Leser? Dass ein Buch wartet, entdeckt zu werden. Dass Yáng Shuāng-zǐ einen Platz auf dem Nachttisch verdient, neben Lispector und Ferrante, unter jenen Autorinnen, die in einer Sprache schrieben und alle anderen veränderten. Fangen Sie an, danach zu suchen.

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